Rezension - ,Warum die Engel Liebe machen…’

Rezension über

 

,Warum die Engel Liebe machen…’

Veranstaltung des Kulturforums Overath e.V. am 16.4.2010 im Kulturbahnhof Overath

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Prickelndes rund um Sinnlichkeit und Sünde im Kulturbahnhof Overath

D. Christian A. Biederbick

 

Unter dem Titel ,Warum die Engel Liebe machen - Erotische Poesie aus acht Jahrhunderten’ boten der Literaturwissenschaftler und Rezitator Dr. Thomas Maier und sein kongenialer Partner Herbert Horchemer am Flügel ein köstliches, höchst unterhaltsames, ebenso geistreich-subtiles wie deftiges Kaleidoskop von Texten und Musik rund um Liebe, Sünde, Scheu und Sinnlichkeit.

 

 

Die Texte erzählten von Liebeslust und Liebesleid, von zartem Herzenssehnen und wilder Leidenschaft, von tumber Gefühlskälte und praller Körperlichkeit, von heftigem Begehren, casanovaartigen Verführungsspielen, versteckter Schäferliebe, aber auch von erotischen Avancen zwischen Beichtvätern und süßen Beichtkindern. All diese Facetten und viele andere dazu wurden von Thomas Maier ebenso hintersinnig-amüsant wie spöttisch, mal mit scheinbar  heiligem Ernst und mal mit kaum ernst zu nehmendem erhobenem Zeigefinger vorgetragen. Und eine Prise ‚Rat und Hilfe in Sachen Sex’ – von Herrn Maier zur alsbaldigen Erprobung empfohlen – war auch noch beigemischt. Wie man küssen und wo es sich überall lieben lässt (und wo man es vielleicht besser bleiben lässt, z.B. in einem plötzlich abbrennenden Hurenhaus), das konnte man hier herrlich geistvoll und hintersinnig erfahren.

 

 

Der Bogen der Texte spannte sich vom Mittelalter bis in die Gegenwart: Minnesang, Volkslied, deftige Sinnsprüche, Gedichte mal in gespielt naivem, mal in köstlich anzüglichem Ton, Höhepunkte deutscher Liebeslyrik bis hin zu Goethes ,Ewig Weiblichem’ - all das fand Platz in den dramaturgisch fein komponierten Textblöcken.

 

 

 

Die musikalischen Improvisationen von Herbert Horchemer reichten stilistisch vom Barock über einschlägige Schlager bis zum Jazz. Zwei Highlights seien exemplarisch genannt:
Feierlich-sakrale Händel-Klänge kontrastierten herrlich ironisch zur Entlarvung religiöser Bigotterie. Und das Thema aus W.A. Mozarts Klaviersonate KV 331 als harmlos unschuldiger Klangteppich für die wahrlich drallen Bäsle-Briefen des Komponisten, das war schon gekonnt.

 

 

 

Thomas Maier und Herbert Horchemer brachten dem Publikum die schönste Sache der Welt freilich nicht nur durch Poesie und Musik nahe. Auch die locker-launige Moderation von Thomas Maier - die man in Overath schon bei früheren Literaturabenden erleben konnte, diesmal  ergänzt um aktuelle Bezüge zu echten oder vermeintlichen Sex-Skandalen - , der sparsame, aber delikate Einsatz schauspielerischer Mittel, die pfiffigen Interaktionen zwischen Rezitator und Pianist sowie manche direkte Ansprache ans Publikum trugen dazu bei, dass die Zuhörer mal leicht schmunzeln, mal herzhaft lachen mussten und über manche Deftigkeit nur noch staunen konnten. Und warum die Liebe eine köstliche,  notwendige Sünde, aber eben auch eine Engelsangelegenheit ist – das blitzte immer wieder auf . Großer Beifall – da ging es natürlich nicht ohne Zugabe ab.

 

 

 

Über die glänzenden Unterhaltungseffekte des Programms hinaus war es ein Genuss zu erleben, wie zwei Künstler - in unserer Welt der knalligen und nichts mehr verhüllenden Bilder - allein durch die Kraft von Wort, Musik,  Stimme und Körpersprache bei den Zuhörern lustvolle innere Bilder von größter Anschaulichkeit zu erzeugen vermochten.

Erwähnung finden sollte noch, dass zur angenehm-intimen, passend stimmungsvollen  Atmosphäre des Abends auch das reizvolle architektonische Ambiente des Kulturbahnhofs sowie der geschickte Einsatz von Licht und Beschallungstechnik beitrugen. Nicht zuletzt auswärtige Gäste, die den Bahnhof zum ersten Mal erlebten, waren voll des Lobes über diesen äußerst attraktiven Veranstaltungsort.

Schon in der Pause, erst recht aber nach Schluss des Abends war immer wieder zu hören: Wer nicht dabei war, hat einen bunten und reizvollen Einblick in das Liebesleben von Engelchen, Teufelchen und Menschen verpasst.

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Ein Wort des Dankes muss noch an die Sponsoren gerichtet werden, durch deren großzügige Unterstützung der Abend möglich wurde: Dank daher der Kreissparkasse Köln, der Rechtsanwaltskanzlei Winter, Jansen, Lamsfuß sowie der Firma Hennes Hörakustik, die technisch vorzügliche Hörhilfen für Zuhörer mit Hörproblemen bot – ein Pilotprojekt an diesem Abend, das unbedingt fortgesetzt werden sollte.