3. LITnacht Brecht 19.04.2008
LITeraturnacht
"Bert Brecht - Bild und Botschaft"
Das Kulturforum Overath
lädt ein Samstag 19. April 2008
Aula Schulzentrum Cyriax, Perenchiesstraße
Beginn: 19.30 Uhr (Einlass: 19.00 Uhr)
Karten erhalten Sie im Vorverkauf für 10 (erm. 6 ) bei der Buchhandlung Bücken & Bücken und an der Abendkasse für12 (erm. 8 )
Durch die Veranstaltung führtSigrid Löffler
Begrüßung
Veronika Bahne-Classen
Einführung
Dr. Thomas Maier
Original Brecht-Songs (Dreigroschenoper)
Filmsequenzen
"Kaukasischer Kreidekreis"
Gesangsinterpretationen
Sarah Lutze und Band
Pause für Getränke und ImbissSzenische Aufführung
Schüler des Paul Klee Gymnasium
Rezitation
Dr. Thomas Maier
Gesangsinterpretationen
Sarah Lutze und Band
Podiumsdiskussion mit
Sigrid Löffler LiteraturkritikerinJoe Knipp Leiter des Theaters am
Sachsenring KölnDr. Thomas Maier Literaturwissenschaftler
Georg Fischer Studiendirektor
Saxophon
Christian Saettele
künstl. Ausstattung
Schüler der Gemeinschaftshauptschule unddes Paul Klee Gymnasiums Overath
Konzeption und Organisation
Marita Thomas in Zusammenarbeit mit Marianne Bruns
Sponsoring durch Aggerenergie
Pressetext
3. Overather LITeraturnacht "Bertolt Brecht - Bild und Botschaft"
19. April 2008, 19:30 Uhr in der Aula des Schulzentrums Cyriax,
"Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt..." (Bertolt Brecht). Abgesehen davon, dass Brechts Gedankengut in zahlreichen Theateraufführungen, Rezitationen, Literaturberichten usw. auch über 50 Jahre nach seinem Tod immer wieder aufgegriffen wird, erfährt die Brecht-Quellen-Forschung neuerdings kräftige Impulse durch die Edition seiner 54 Notizbücher (1918-1956), für die der Suhrkamp-Verlag einen Zeitraum von 15 Jahren angesetzt hat. Abweichend von vorherrschenden Klischees ergibt sich aus diesen Notizen ein differenziertes, wenn auch widersprüchliches Bild Bertolt Brechts. Für das Kulturforum Overath ist dies ein Grund mehr, "Bild und Botschaft" Brechts in einer Literaturnacht nachzuzeichnen.
Die Overather Literaturnacht, deren Konzeption von Marita Thomas entworfen wurde und die schon zweimal (2004 "Kafka", 2006 "Tucholsky") großen Anklang gefunden hat, wird auch in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit Marianne Bruns realisiert und - wie schon im Vorjahr - von der bekannten Literaturkritikerin Sigrid Löffler moderiert. Dabei gelangen verschiedene Medien zum Einsatz. Im Vortrag wird Dr. Thomas Maier eine Einführung geben, an späterer Stelle vertieft durch Rezitationen aus den Keuner-Geschichten. Die musikalischen Aspekte werden durch Gesangsinterpretationen von Sarah Lutze und Band vorgetragen, u.a. aus der Dreigroschenoper. Über eine Filmsequenz aus einer Theateraufführung des kaukasischen Kreidekreises wird ein weiterer Aspekt medial vermittelt. Eine szenische Aufführung aus den Keuner-Geschichten gestalten Schüler des Paul-Klee-Gymnasiums und abschließend ist eine Aufarbeitung durch Statements und Kritik in einer Podiumsdiskussion der Experten beabsichtigt. Den optischen Rahmen der künstlerischen Ausstattung erstellen Schüler der Gemeinschaftshauptschule Overath und des Paul Klee-Gymnasiums.
Ermöglicht wird ein derartig reichhaltig-niveauvolles Programm mit Hilfe finanzieller Unterstützung durch die AggerEnergie. (hf)
(Einlass 19 Uhr, Kartenvorverkauf Buchhandlung Bücken & Bücken 10 EUR, erm. 6 EUR,Abendkasse 12 EUR, erm. 8 EUR)
3. Overather LITeraturnacht des Kulturforums "Bertolt Brecht - Bild und Botschaft"
Eindrucksvolle Veranstaltung am 19. April 2008 in der Aula des Schulzentrums Cyriax
Eine voll besetzte Aula zeigte, dass die "Marke Brecht" ungebundene Zugkraft besitzt und die Literaturnacht des Kulturforums Overath sich zum "Markenartikel" entwickelt hat.
Stimmungsvolle Raumgestaltung und eine Brecht-bezogene Bühnendekoration, erstellt von Overather Schülern, trugen dazu bei, dass ein von den Mitwirkenden angebotenes anspruchsvolles literarisch-künstlerisches Programm, abwechslungsreich durch den Einsatz verschiedener Medien präsentiert, mit Begeisterung vom Publikum angenommen wurde. Die von Marita Thomas entworfene Konzeption, realisiert in Zusammenarbeit mit Marianne Bruns und weiteren ehrenamtlichen Mitgliedern des Kulturforums, ermöglichte den Zugang zu Brecht auf unterschiedliche Weise: Wortbeiträge durch Vortrag, Rezitation, Expertenrunde, Gesangsinterpretationen, szenische Darstellungen und Filmbeitrag. Erfahrungen aus den vergangenen Literaturnächten (2004 "Kafka", 2006 "Tucholsky") trugen zu einer zügigen Abwicklung der Veranstaltung bei (mit Pause für Imbiss und Gesprächskontakte), sodass die "Nacht" noch vor Mitternacht ihr Ende fand und die Mitwirkenden von den Besuchern mit stürmischem Applaus bedacht wurden.
Wie schon im Vorjahr wurde die Veranstaltung von der bekannten Literaturkritikerin Sigrid Löffler sympathisch und sachkundig moderiert, die auch wesentliche eigene Beiträge zum Thema der Veranstaltung beisteuerte.
Dem Literaturwissenschaftler Dr. Thomas Maier, der offensichtlich schon über eine Fan-Gemeinde in den Literaturnächten verfügt, gelang eine spannende Einführung zum Leben und Werk Bertolt Brechts, belebt durch Einfügung von Brecht-Zitaten, in denen der Widerspruchsgeist Brechts, sein Spott und die Lust am Wortspiel zum Ausdruck kamen. Auch die Rolle des Kollektivs, insbesondere der Anteil begabter Frauen an Brechts Werk wurden von Maier hervorgehoben. In seinen an späterer Stelle des Programms vorgetragenen Rezitationen gelang Maier eine weitere Hervorhebung dieser Aspekte, die vom Publikum mit begeistertem Applaus quittiert wurden.
Als Beispiel für die Theaterarbeit Brechts wurden Filmsequenzen aus einer Aufführung des "Kaukasischen Kreidekreises" mit der berühmten Szene gezeigt, in der es die Ziehmutter nicht vermag, das Kind aus dem Kreidekreis zu ziehen, während die leibliche Mutter, die ihr Kind verlassen hatte, herzlos an ihm zerrt. Verbindende Worte zwischen den einzelnen Szenen und darüber hinausgehende Erläuterungen wurden mit hoher Sachkompetenz und didaktischem Geschick von Joe Knipp beigesteuert, der auf seine Erfahrungen als Leiter des Theaters am Sachsenring Köln zurückgreifen konnte.
Eine weitere Annäherung an Brecht erfolgte durch die szenische Aufführung von Schülern der Theatergruppe des Paul-Klee-Gymnasiums unter der Leitung von Studiendirektor Georg Fischer. Anknüpfungspunkte bildeten Brechts "Geschichten von Herrn Keuner", u.a. "Katzen" und "unentbehrliche Beamte", die von den Schülern durch Improvisationen zu sechs Szenen mit Elementen des Bewegungstheaters entwickelt wurden.
Eine weitere Dimension der Annäherung wurde durch das Medium Musik am Beispiel der "Dreigroschenoper" erschlossen, zunächst mit Aufnahmen von original Brecht-Songs. Anschließend gelangen Sarah Lutze überzeugende Gesangsinterpretationen mit der selten interpretierten Arie der Lucy, dem Salomonsong, dem mit Biss vorgetragenen Song der Seeräuber-Jenny und schließlich mit dem Welthit der Moritat von Macky Messer "Und der Haifisch, der hat Zähne..." Begleitet wurde sie am Flügel von Claus Schürkemper, der dem Overather Publikum als Kirchenmusiker bekannt ist. Weitere musikalische Einlagen bot Christian Saettele mit Saxophon und Klarinette, überwiegend im Swing-Rhythmus.
Als letzten Höhepunkt erlebten die Zuschauer eine Podiumsdiskussion unter der souveränen Leitung von Sigrid Löffler, die sachkompetent eigene Beiträge beisteuerte, mit den weiteren Teilnehmern Dr. Thomas Maier, Joe Knipp und Georg Fischer. Erwartungsgemäß konzentrierte sich das Gespräch auf das Thema "Brecht heute". Wie aktuell oder museal ist sein "episches Theater" heute? Zum Modellcharakter Brechtscher Dramen gab es unterschiedliche Auffasssungen: Während dies für das Schlüsselstück "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" von allen Teilnehmern bejaht wurde, waren nicht alle von "Mutter Courage und ihre Kinder" vor dem Hintergrund heutiger Kriege z.B. im Irak überzeugt. Interessant war in diesem Zusammenhang der Hinweis eines Teilnehmers der Runde, dass die Aufführungsrechte von den Brecht-Erben offensichtlich im Sinne der Erhaltung der "Marke Brecht" vergeben werden und dadurch dem Experimentieren des modernen Regietheaters weniger zugänglich sind.
Das lebhafte Interesse des Publikums an der 3. Literaturnacht und die positive Resonanz bei den Mitwirkenden werden das ehrenamtlich tätige Kulturforum veranlassen, diesen "Markenartikel" auch in Zukunft anzubieten, um mit Hilfe von Sponsoren (diesmal die AggerEnergie) eine Realisierung zu erreichen, die eine wesentliche Bereicherung des regionalen kulturellen Angebots darstellt. (hf)
