ARTLABYRINTH - Kunstförderpreis 2006
An diesem Kunstwerk kam keiner vorbei...
Der Kunstförderpreis des Kulturforum Overath ging an die Künstler Manuele Klein und Ralf Mager für ihr ARTLABYRINTH
(ejr) „Kunst ist unverzichtbar, vielleicht gerade in Zeiten knapper Kassen und gedrückter wirtschaftlicher Stimmungslage. Kunst und Kultur wollen die menschliche Natur fortentwickeln, veredeln und überschreiten. Die Kunst ist Ausdruck der menschlichen Schaffenskraft. Sie ist unverzichtbar, denn sie baut Brücken, das Verständnis wächst im Austausch und in der persönlichen Begegnung.“ Diese Worte sprach Veronika Bahne-Classen, die Vorsitzende des Kulturforum Overath anlässlich der Preisverleihung des Kunstförderpreises 2006 an die Künstler Manuele Klein und Ralf Mager.
Der mit 2500 € dotierte Preis wurde im Rahmen einer Vernissage erstmalig vergeben und zeichnete das ARTLABYRINTH aus, eine gemeinsame Installation der beiden Künstler auf dem Overather Bahnhofplatz. Manuele Klein zeigte sieben abstrakte Objekte, lebensgroß und ein Umschreiten ermöglichend, aber ein Durchschreiten verhindernd. So regte sie den Betrachter zu einer Auseinandersetzung mit Offenheit und Verschluss, mit Durchlässigkeit und Sperrung an und ermöglichte eine Reflexion der persönlichen Geisteshaltung. Ralf Mager hingegen ließ ein Durchschreiten zu. Er zeigte Fachwerkelemente mit Türen, mit Fenstern, mit kleinen Details. Viele Jahre waren diese Objekte alt, viele Generationen haben sie erlebt, sodass man sie als „biografisch konditionierte Lebensmodule“ bezeichnen konnte, so die Kunsthistorikerin Doris Hänsch, die in das Werk einführte. Magers Objekte ließen einen sich ständig verändernden Blick auf die Installation zu, ermöglichten aber auch, dass der Betrachter zum Betrachteten wird, wenn er selber durch eines der Fenster blickt.
„Ohne Mäzenatentum wäre Kunstförderung nicht möglich“, sagte Veronika Bahne-Classen und dankte damit Hans-Peter Gippert, der den Kunstförderpreis ins Leben gerufen hat, für seinen finanziellen Einsatz und seine kreativen Ideen. „Dieser Preis trägt dazu bei, die Lebendigkeit der Kunst vor Ort hier in unserem unmittelbaren Umfeld zu bewahren“, bestätigte die Vorsitzende.
Die Kunsthistorikerin Doris Hänsch betonte, dass Kunst in dieser Form seinen Schutzraum, das Museum, verlässt. Während im Museum uneingeschränkte Toleranz für Kunst zu finden ist, muss sie hier alle Bürger ansprechen, denn „an diesem Kunstwerk kommt keiner vorbei“. Wenn Kunst aber in einer solchen Situation gefällig wird, wird sie im Ortsbild unsichtbar. Von daher muss sie aufmerksam machen, nachhaltig Eindruck machen, fast schon provokant sein, so Doris Hänsch. Kunst übernimmt hier die Funktion des Kommunikators, denn sie regt zum Austausch über sich an.
Bürgermeister Andreas Heider schließlich dankte auf der Vernissage dem Kulturforum Overath, das mit der Kulturförderung eine Aufgabe der materiellen Unterstützung und Anerkennung von Kunst übernimmt, zu der die Stadt Overath selber nicht mehr in der Lage ist. Dabei, so Heider, tritt das Kulturforum nicht als Ausfallbürge an, sondern leistet herausragendes Engagment.
